Der Orgasmus der Frau

Immer noch schwirrt der Mythos von einem richtigen oder gesellschaftlich anerkannten Weg zum Orgasmus umher. Viele Sexualberater z.B. konzentrieren sich nur auf den Penis-in-der-Vagina-Sex-Akt und unterstellen damit, dass er die einzig wirkliche sexuelle Erfüllung sei. Petting oder Masturbation wird nur am Rande erwähnt, und Sex zwischen Lesben und Schwulen gilt als unerfüllt.
Physiologisch betrachtet ist ein Orgasmus ein Orgasmus, ob er bei Masturbation, Koitus, oraler Stimulation oder irgendeiner anderen Form der Stimulation erfolgt. Das subjektive Erlebnis mag verschieden sein, aber der physiologische Zyklus, den eine Frau durchläuft, wenn sie sexuelle Spannung ansammelt, den Orgasmus erreicht und wieder zur ursprünglichen Ruhestellung zurückkehrt, ist für alle Frauen gleich.

Die Erreichung des Orgasmus erfordert psychische und / oder oder körperliche Stimulation. Es gibt einige Frauen, laut Kinsey etwa 2 Prozent der Bevölkerung, die imstande sind, durch Phantasie allein, ohne Genitalstimulation, zum Höhepunkt zu kommen; ein weiterer kleiner Prozentsatz kann ihn durch Brust- oder andere nicht-genitale Stimulation herbeiführen. Manche Frauen haben spontan Orgasmen, und viele Frauen kommen beim Träumen zum Orgasmus. Trotz dieser Ausnahmen ist für die meisten Frauen ein beträchtliches Ausmaß an Stimulation der Genitalgegend die notwendige Vorbedingung. Die genaue Stelle und die Art der notwendigen Genitalstimulation hängt von dem physiologischen Bau und den erlernten Reaktionsschablonen jeder einzelnen Frau ab.

Der sexuelle Reaktionszyklus kann in vier generelle Phasen eingeteilt werden: die Erregungsphase, die Plateauphase, die Orgasmusphase und die Erschlaffungsphase. Diese Phasen sind nicht völlig getrennt. Es ist nicht so, dass eine Phase deutlich zu Ende ist, bevor die nächste beginnt, sondern die Einteilung in Phasen stellt den Versuch dar, eine Folge von Reaktionen zu beschreiben, die charakteristisch in einem in Wirklichkeit fortlaufenden Prozess eintreten.

1. Die Erregungsphase:
Die Klitoris wird fest, wenn sich das darunterliegende Gewebe mit Blut auffüllt. Gleichzeitig produziert die Vagina durch >>Schwitzen<< ein Gleitmittel. Die Blutgefäße der Vagina weiten sich und füllen sich mit Blut, die Farbe der Vaginalwände wird dunkler. Jetzt steigen der Puls und der Blutdruck deutlich an und die Frau beginnt mit rhythmischen Bewegungen.

2. Die Plateauphase:
Die Gewebe der Wände im äußeren Vaginaldrittel sowie des PC-Muskels sind von Blut angeschwollen, was eine Verengung des Raums an der Vaginalöffnung zur Folge hat. Das betroffene Gebiet wird Orgasmusplattform genannt. Zu dieser Zeit kann es scheinen, als wäre die Klitoris irgendwo unter der Kappe verschwunden, doch sie reagiert weiter auf direkte Stimulation des sie umgebenden Gebiets. Die Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke schwellen an. Atem und Puls werden beschleunigt, und die Bewegungen der Frau werden schneller.

3. Die Orgasmusphase:
Die Muskeln beginnen sich kräftig und rhythmisch zusammenzuziehen. Atem, Puls und Blutdruck werden weiter ansteigen, bis ein Körperreflex den Prozess der immer stärker werdenden Muskelspannung und der Blutzufuhr zu den Sexualgeweben umkehrt. Ein Orgasmus kann ebenso wenig erzwungen werden wie ein Kniereflex; beide Reflexe erfolgen natürlich. Das Ansteigen der Muskelspannung und die Überfüllung der Blutgefäße erreichen einen Höhepunkt, und es kommt zum Orgasmus.

4. Die Entspannungsphase:
Das Zusammenziehen der Klitoris hindert das Blut daran, weiter in die Gewebe zu fließen. Der Puls geht zurück, und das Gewebe schwillt ab. Die Geschlechtsorgane kehren wieder in ihren gewohnten Ruhezustand zurück. Die Frau entspannt sich wieder und wird von einem feinen Schweißfilm bedeckt.