Marion Plesz, Sexualberaterin und Tantra-Masseurin, erklärt im Interview mit typischich.at, in welcher Relation Tantra zu Sexualität steht und wie sie Menschen über Barrieren hinweghilft.
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Wie sind Sie zu dem Beruf der Sexualberaterin und Tantra-Masseurin gekommen?
Sexualität war immer schon meine große Leidenschaft und das zentrale Thema in meinem Leben. Nach meinem psychotherapeutischen Propädeutikum und der Überlegung, welche Therapierichtung ich einschlagen würde, wurde mir bewusst, dass es mir nicht reicht, mit Menschen über ihre Lebensthemen zu sprechen und insbesondere das Thema Berührung und dessen verschiedene Aspekte nur verbal zu behandeln. So bin ich zur Tantramassage-Ausbildung gekommen. Außerdem habe ich parallel dazu den Lehrgang zur Paar- und Sexualberaterin abgeschlossen.
Ich finde es wichtig, achtsame Berührung und Berührungsqualität in einer Weise vermitteln zu können, die an sich schon „berührend" ist. Das heißt, es bleibt nicht unbedingt bei einem theoretischen Besprechen der Möglichkeiten, wie man etwas verändern könnte. In meinem Berührungscoaching - das speziell auf Paare ausgerichtet ist - erarbeite ich mit dem Paar gezielt, wie sich in der individuellen Situation die Berührungsqualität innerhalb der Beziehung und damit auch die Beziehung selbst und speziell die gemeinsam gelebte Sexualität innerhalb der Beziehung verbessern lässt.
Seit langer Zeit beschäftigt ich mich damit, wie die Gesellschaft Themen wie Berührung und den Umgang damit handhabt, Beziehungsformen und wie man sie lebt und liebt, die Schwierigkeiten die sich unter Umständen in Zusammenhang damit auftun. Konventionelle, monogame Beziehungen wie Ehen, offene oder homosexuelle Beziehungen, oder auch sexuelle Beziehungen zu dritt oder - mehrt: Diese Beziehungsformen sind ja heute alle möglich und mehr oder weniger anerkannt. Dennoch sind Sexualität und Sex - die ich hier vom Wortgebrauch her trennen möchte - Themen, die in gewisser Weise immer noch tabuisiert werden speziell auch das offene und detaillierte Sprechen darüber. Ich verwende das Wort Sexualität für die urmenschliche Eigenschaft und Fähigkeit an sich und das Wort Sex für die aktive Tätigkeit, also das Ausleben der Sexualität.
Immer noch ist es in vielen sexuellen Beziehungen so, dass man zwar miteinander Sex hat, sich aber nicht wirklich gegenseitig mitteilen kann, wie man berührt werden möchte, was einem gut tut, was einen „antörnt", worauf man steht oder wie man's gerne hätte. Das liegt daran, dass Frauen einerseits ihrem Partner nicht vermitteln können was sie wirklich brauchen und andererseits einfach die Scheu haben, Körperteile oder Tätigkeiten beim Namen zu nennen wie zB. vordere Scheidenwand, Peniswurzel oder streicheln, kreisen, drücken, stimulieren. Oft fehlt der differenzierte Wortschatz.
Mit beiden Aspekten beschäftigt sich meine Arbeit: Ich arbeite mit Menschen daran, ihren Körper besser kennenzulernen, indem ich achtsame, respektvolle Berührung mit Erklärung und Besprechung anbiete. Die Sexualberatung bietet die Möglichkeit offen die Dinge beim Namen zu nennen und den Wortschatz zu erweitern. Meine Arbeit hat oft therapeutischen Effekt.
Wie wird Tantra mit Sexualität verbunden, welche Bezüge gibt es da zueinander?
Tantra beschäftigt sich mit den im weitesten Sinne energetischen Zusammenhängen im Bezug auf die Sexualität. Ich bin Tantramasseurin und nicht Tantrikerin im allgemeinen Sinn. Ich glaube, dass das Wort Tantra oft überstrapaziert wird.
Zur heutigen Zeit und in unseren Breiten wird es wohl für alles Mögliche verwendet, das mit Energie, Meditation, Sex zu tun hat oder manchmal noch breiter gestreut. Meine Arbeit ist eine sanfte, sinnliche Körperarbeit, in der die Massageempfängerin viel über ihren Körper erfahren und lernen kann. Da es sich um ganzheitliche und ganzkörperliche Berührungen handelt, wird meist intensive sexuelle Energie ausgelöst. Viele Menschen sagen mir nach einer Behandlung, dass sie sich ganz neu fühlen, dass sie diese Art von Berührtsein noch nie erlebt haben. Für viele stellt diese Erfahrung eine Bereicherung für ihr persönliches Sexualleben in ihren Beziehungen dar.
Beschreiben Sie bitte Ihre Praktiken und die Vorgehensweise einer Tantramassage-Session.
Eine Session dauert mindestens eineinhalb Stunden. Ich arbeite auf einem Massagelager, bodennahe. Nicht auf einem Massagetisch zu arbeiten, ermöglicht mir mehr Körpereinsatz. Ich wende die Techniken der Berührung an, die ich in der Tantramassageausbildung gelernt habe. Allerdings ist keine Massage wie die andere, da ich mich von meiner Intuition leiten lasse, womit ich sehr gute Erfahrungen mache und bestes Feedback bekomme. Alles spielt sich innerhalb der Grenzen dieser speziellen Körperarbeit ab. Ich biete keine tantrische Vereinigung an und habe niemals Sex mit meinen Gästen.
Welche sind die häufigsten sexuellen Barrieren und wie können diese durch Sexualberatung gemindert werden?
Mit welchen Anliegen Menschen in die Beratung kommen ist sehr individuell. Bei länger verheirateten Paaren ist oft das Thema, dass sie frischen Wind in ihr Sexualleben bringen wollen, dass sie sich fragen, ob sie etwas falsch machen. Insgesamt steht Frage „Mache ich etwas falsch beim Sex?" hinter vielen Anliegen. Männer ab 30 fragen sich, was mit ihnen nicht stimmt, wenn alles nicht mehr ganz so ist wie früher. Frauen stellen fest, dass sie gern mehr über ihren Körper wissen würden oder einfach gerne mehr die Möglichkeit hätten ihre Lust zu leben. Und das sind nur die häufigsten Fragestellungen, die mir begegnen.
Für all diese Anliegen ist es einfach gut, eine stressfreien Raum zu schaffen, der den Druck erst mal nimmt, unter dem viele Menschen leiden. Häufig ist es so, dass es schon hilft, das Problem auszusprechen. Die Lösung bringt der Mensch oft schon selbst mit, ohne es zu wissen. Im Frühsommer werde ich gemeinsam mit meiner Kollegin einen Workshop speziell für Frauen anbieten, die gerne Neues entdecken und sich mit ihrem Erleben und ihren Wünschen auseinandersetzen wollen.
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